Zur Geschichte des „Förderverein(s) Gemeinsames Wohnen Jung und Alt“

Wie alles begann

Die Geschichte des Fördervereins begann bereits zwei Jahre vor dessen Gründung 1992 mit dem von der Evangelischen Erwachsenenbildung Darmstadt und der „Stiftung Mitarbeit“. veranstalteten „Forum Wohnen – alte Muster verlassen – neue Wege gehen“. Aus den damals gebildeten Arbeitsgruppen, auch aus einem von der damaligen Darmstädter Frauenbeauftragten initiierten Runden Tisch „Alternative Lebensformen im Alter“ und einer Initiative „Wohnen von Frauen im Alter“ entwickelte sich schließlich eine gemeinsame „Initiativgruppe Alternative Lebens- und Wohnformen“, die erste Konzepte ihrer Vorstellungen von gemeinschaftlichen Wohnprojekten erarbeitete: Zu den zukünftigen Bewohnerinnern und Bewohnern sollten Ältere ebenso gehören wie Familien mit Kindern, Behinderte, Alleinerziehende, Studierende; WGs und Gemeinschaftseinrichtungen (z.B. Küche und Werkstatt) waren vorgesehen. Vor allem sollten die Grundsätze der Selbstverwaltung, der Nachbarschaftshilfe und der umweltbewussten Bau- und Lebensweise gelten. Zu den Initiatorinnen dieser Vorgründungszeit zählten u. a. Liesel Pebler und Gisela Schumacher (beide haben 2003 die Verwirklichung des Projekts WohnSinn 1 noch erlebt, aus Altersgründen aber nicht mehr einziehen können – Liesel Pebler und Gisela Schumacher sind wenige Jahre nach der Fertigstellung von WohnSinn 1 leider verstorben); mit dabei waren damals Hanni Skroblies, Barbara Mayer und Karin Gerhard. Vor allem Frauen waren – wenn auch nicht allein – die treibende Kraft der Gruppe, die bald schon die Unterstützung des „Instituts Wohnen und Umwelt“ (IWU) fand und in den folgenden Jahren in dessen Räumen (damals noch in der „Merck-Villa“ in der Annastraße) auch tagen konnte. Hinzu stießen wenig später Hanne Schäfer, Willi Wagner, Christoph Jetter und Konrad Mohrmann, bald auch Conny und Bernd Müller und Christa Olbrich. Im Wesentlichen war es dieser „Aktivenkreis“, der ab 1993/1994 die Aktivitäten des Fördervereins trug, der Mitte 1994 schon fünfzig Mitglieder zählen konnte.

Vom Förderverein bis zur Genossenschaft

Eine intensive Klärungs-, Informations- und Planungsphase begann. In regelmäßig tagenden Arbeitsgruppen, die sich mit Fragen der Organisationsform von Wohnprojekten, mit Fragen der Finanzierung, mit Fragen der ökologischen Bauweise und mit Beispielen anderen Orts schon verwirklichte Projekten. Die Leitlinie „Selbstqualifizierung“ wurde ernst genommen, denn außer spannenden Vorschlags- und Ideenpapieren und ersten Erfahrungsberichten aus anderen Städten gab es kaum Orientierungshilfen, Lehrbücher für die Verwirklichung des Abenteuers „Gemeinschaftliches Wohnprojekt Jung und Alt“ gab es nicht. Also besuchten Vereinsmitglieder Wohnprojekte in anderen Städten (z.B. in Zürich und Köln), wir luden Sachverständige und Vertreter ähnlicher Projekte (z.B. aus München) ein und stellten 1994 in den Räumen des IWU die Eckpunkte unseres Konzepts in einer ersten Veranstaltung der Darmstädter Öffentlichkeit vor. Wichtig war, dass der Verein wegen seiner Zielsetzungen, die nach wie vor in seiner Satzung nachzulesen sind, als Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband aufgenommen und deshalb vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt worden war. Die Teilnahme schließlich an dem 1994 von der Stadt ausgeschriebenen städtebaulichen Wettbewerb für das neu zu erschließende Baugebiet K6 – die Pläne für unser Projekt wurden von Karin Gerhard, Architektin und wichtiges Vereinsmitglied in diesen Gründungsjahren, erarbeitet und präsentiert – war wegen der Ausschreibungsbedingungen ein wichtiger Schritt für die eigenen Pläne: Es sollte um ein Wohngebiet vorzugsweise für „Bau-Gruppen“ – also nicht für eine Ansammlung von Einfamilienhäusern – und um ein Wohngebiet „weitgehend ohne Autos“ gehen. Der Verein gewann zwar nicht den Wettbewerb, aber die Pläne gewannen im Hinblick auf das mögliche Baugebiet in Kranichstein wie hinsichtlich der Gestalt der Projektidee nun Konturen. Die erste Broschüre mit unserem wenig später von der Genossenschaft WohnSinn übernommenen Logo und unseren Planungsvorstellungen erschien 1996. „Wohnen ist mehr als ein Dach über dem Kopf“ lautete deren Einleitungssatz.

Nach Monaten harter Diskussionsarbeit – wie kann das alles finanziert werden? Passivhaus in Holz- oder Steinbauweise? Wie kommen wir zu einem Grundstück und welche Rechtsform sollte für die Projektträgerschaft gewählt werden? – waren Ende 1997 im Verein die Weichen in Richtung Genossenschaftsgründung gestellt. Die Genossenschaft erschien als geeignete, demokratisch verfasste Rechtsform für die angestrebte Mischung aus Miet- und Eigentumswohnungen mit Selbstverwaltung. Siebzehn Mitglieder gründeten schließlich Ende Februar 1998 die „Bau- und Wohngenossenschaft WohnSinn Darmstadt e.G.“. Es sollten noch mehr als vier Jahre mit vielen unerwarteten Schwierigkeiten vergehen, bis im Dezember 2002 auf damals noch weitgehend freiem Feld im Baugebiet K6 mit dem Bau des ersten Gebäudes der Genossenschaft in der Elisabeth-Selbert-Straße begonnen werden konnte.

Der Förderverein blieb nach Gründung der Genossenschaft weiter bestehen, begleitete zunächst deren Entwicklung bis zum Baubeginn und bildete die Basis für Lobbyarbeit, Kontakte und für neue Arbeitsgruppen. Genossenschaftsmitglieder gründeten 2005 den Runden Tisch „Gemeinschaftliches Wohnen – Darmstadt“, dessen Trägerschaft inzwischen der Förderverein übernommen hat.

(Zusammenfassung: Christoph Jetter auf der Grundlage von Aufzeichnungen von Christa Olbrich und Hanni Skroblies / Dezember 2013)

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